Rangelei unter Jugendlichen - Freispruch

Es müssen nicht immer die spektakulären Verfahren sein, die eine Dokumentation rechtfertigen. Eine Anklage wegen einfacher Körperverletzung ist für den Betroffenen belastend genug.

In einem meiner ersten Verfahren verteidigte ich einen jungen Mann aus Plauen im Vogtland, Westsachsen. Unterschiedlich ausgerichtete Jugendgruppen waren in Konflikt geraten. Mein Mandant hatte, was unstreitig war, einem seiner Widersacher den Arm verdreht. Streitpunkt war, ob das aus Notwehr geschehen war. In einem Rechtsgespräch regte der Staatsanwalt unter Hinweis auf die unklare Beweislage die Einstellung des Verfahrens an. Ich versagte mich der Versuchung, dem zuzustimmen, nur um mir die zweite Fahrt von Düsseldorf nach Plauen innerhalb einer Woche zu ersparen. Denn bei unklarer Beweislage, das heißt bei Zweifeln an der Schuld des Angeklagten, ist er freizusprechen. Wenn sich eine reelle Chance dafür bietet, ist der Anwalt gehalten, sie für seinen Mandanten zu nutzen. Hier gab es sie und hier wurde sie genutzt.

Dieser Fall ist ein Beleg dafür, daß es vor Gericht nicht auf eine Schaueinlage ankommt, in der der Verteidiger seine Kampfbereitschaft gegenüber dem Gericht vorführt, sondern darauf, daß man sich bei vielversprechenden Sachverhalten nicht abwimmeln lassen darf, wenn die Aussichten günstig sind. Beharrliches Vorgehen ist immer angezeigt, das Führen von Scheingefechten niemals (Amtsgericht Plauen 1 Ds 651 Js 9819/00 (2) 134).


Dr. Björn Clemens, Rechtsanwalt

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